Musica Speranza – tragische Lebensgeschichte
Eine besondere szenische Umsetzung der Stücke aus Mozarts c-moll-Messe überzeugt derzeit die Musikliebhaber aus dem Umfeld Salzburgs und der weiter entfernten Welt. Auch der Titel dieser meisterlichen Kombination einer tragischen Lebensgeschichte mit Teilen seiner Messkomposition und anderer weniger bekannter Konzertarien des Musikgenies ist besonders: Die „Musica speranza“ ist die in Töne verwandelte Hoffnung verschiedener Protagonisten, die sich begegnen und zwischen denen vor allem eine Gemeinsamkeit hervortritt – sie alle sind auf ihre Weise heimatlose und daher haltlose Individuen, deren Lebensentwürfe und Abläufe plötzlich in Frage gestellt und korrigiert werden müssen. Und sie alle wissen, dass es Zeit für einen nächsten Schritt ist, aber sie erkennen auch, dass dieser Schritt ins Ungewisse führen muss.
Auch Mozart hatte während der Kompositionsphase der c-Moll Messe seine liebe Not, den Vater und die Schwiegermutter zu besänftigen, die beide gegen seine Ehe mit Constanze Weber interveniert hatten. Daraus entstand eines der wunderbarsten Salzburger Werke Mozarts, die von Kritikern aller Generationen jedoch häufig als zu opernhaft und emotionsgeladen empfunden wird. Dass sie tatsächlich viel mit den Emotionen spielt, die Mozart zu diesem Zeitpunkt seines Lebens beschäftigten, ist wohl unumstritten.
Doch besonders diese Eigenschaften machen sie zu einer perfekten Basis für eine szenische Umsetzung.
Unter der Regie von Andreas Geier, in Salzburg bereits als Dramaturg und Co-Autor der Ballettwerke „Romeo und Julia“ oder „Marilyn“ bekannt, entstand diese außergewöhnliche Uraufführung der Salzburger Landesbühne, gemeinsam mit der ehemaligen Tänzerin und Choreografin Bridget Breiner.
Fünf Gesangssolisten, der Chor der Salzburger Bühnen und das Orchester sowie ein Ballettensemble bilden die Grundlage dieses musikalischen Events, in dem immer wieder die Gesangssolisten spiegelbildlich durch die Bewegungen ihres Tänzerpendants dargestellt werden. Eine besondere Leistung kann sich vor allem die Sopranistin Lenneke Ruiten mit dem Incarnatus est auf ihre musikalischen Fahnen schreiben, die durch ihre Interpretation der Auferstehung bestens überzeugt. Chor und Orchester aber mangelt es streckenweise an der nötigen Präzision, die die Musik des Wolfgang Amadeus Mozart – über die geballte Ladung der Emotionen hinaus – bestimmt.
Weiterhin lässt sich der Sinn der erzählten Geschichte gelegentlich nur schwer herausfinden, egal ob auf musikalischer, darstellerischer oder tänzerischer Ebene. Jedoch wird dem Zuschauer das Gesamtkunstwerk durchaus im Gedächtnis bleiben – und das ist nicht zuletzt Mozarts Kompositionsgenie geschuldet.